Freitag, 29. Juli 2011

Fatu Hiva - Tahuata - Hiva Oa



Wenn man 3 Wochen auf 20m² "eingesperrt" ist, brennt man natürlich darauf, sich die Beine zu vertreten. Das uns in Fatu Hiva, einer Vulkaninsel inmitten des Pazifiks, nicht großartige kulturhistorische Denkmäler erwarten würden, war klar. Aber ein bisserl Natur pur würde uns schon reichen. Schnell fanden wir heraus, dass es am Ende des Tales einen 60m hohen Wasserfall gibt. Rucksack gepackt und los gehts. Als österreichische Profiwanderer, die sich liebend gern über den Typus des vornehmlich deutschen (oder holländischen) Halbschuhtouristen lustig machen, waren wir mit Flip Flops doch sicherlich ausreichend ausgerüstet. Waren wir auch, zumindest auf der asphaltierten Strasse, bis es Herwig 20m nach dem verlassen dieser Hauptstrasse im Gatsch die Patscherl ausgezogen hat. Nach den Indianern kennen auch die österreicheischen Profiwanderer (vorallem bei offensichtlicher eigener Blödheit) keinen Schmerz und ziehen daher barfuss über die schroffen Vulkansteine und stacheligen Gestrüppzeugs in den tropischen Dschungel. Authentisch! Besser AUTSCHentisch!





Weil das Bewegungsdefizit noch nicht ausgeglichen ist, laufen wir am nächsten Tag noch zum Gipfelkreuz des Hügels über dem Dorf. Alles befestigte Strasse, also kein Problem für die schweren Wanderschuhe, die heute bleiern an unseren degenerierten Wadeln hängen. Am Gipfel dann die zweifache Enttäuschung. Kein Gipfelbuch und keine Almhütte mit Gipfelstempel. Wie soll man hier jemals die Nachweise für die silberne polynesische Wandernadel erbringen? Wenn nicht wegen der sommerlichen Temperaturen, dann zumindest wegen der bleiernen Schuhe, kommen wir gut durchgeschwitzt ins Dorf zurück. Defizit ausgeglichen. Genug mit der Herumplattlerei, morgen segeln wir ein Stückerl weiter, ein Tagesschlag nach Tahuata.



Ein bisserl blöd aus der Wäsche haben wir schon geschaut, als wir unsere geschützte Ankerbucht verlassen und draussen bei strahlendem Sonnenschein hurtige 27kn Wind und beeindruckende 4m Wellenberge antreffen. Aber weisst eh, einen Wetterbericht wegen den 50 Seemeilen, einem Rutscherl quasi, brauchen wir nicht konsultieren. Doch Neptun ist uns wohlgesonnen und so schenkt er uns knapp vorm Ankommen einen fetten 8kg schweren Gelbflossenthunfisch. Gesäubert haben wir den Kerl erst in der Ankerbucht (ausnahmsweise, machen wir natürlich normalerweise nit) Mit dem Erfolg, das sich sogleich 4 Haie  hinter der Alchi um die Überreste zu balgen begonnen haben. Fesch zum zuschauen, aber mitspielen wollten wir dann doch nicht.






Die erste Schwimmrunde am nächsten Morgen um das Schiff endet mit einer außergewöhnlichen Überaschung. Wir meinen nicht den Hai, der sich wahrscheinlich aufgrund der guten Futterlage vom Vorabend noch immer in der Nähe aufgehalten hat, sondern die beiden Mantarochen die, anscheinend Stammgäste in der Bucht, gleich neben der Alchi ihre Rückwärtssaltos schlagen. Vom Schiff aus beobachten wir einen hellen Fleck, dann einen dunklen fleck. Hell, dunkel. Bei näherer Inspektion mit Taucherbrille sehen wir die Mantas mit weit geöffnetem Maul, um optimal viel Wasser zu filtern, ihre Bahnen ziehen. Und sie sind gar nicht scheu, schwimmen auf gut 3m an uns heran.


Die Ankerbucht in Tahuata ist unbewohnt und mit Palmen, Sand und türkisem Meer eher dem Bilderbuchimage der Südsee entsprechend. Beim obligatorischen Landgang bemerken wir natürlich die vielen Zitronenbäume und ihre Millionen gerader reifer Früchte, die wir gleich sammeln und zu frisch geprestem Zitronensaft umwandeln. Tagesgetränk von nun an: Zitronenlimonade (ungezuckert selbst verständlich).






Die Zitronen sind auch optimal für Cuba Libre's geeignet, die sich als Sundowner für  das Strandbarbecue mit den anderen Yachten am Abend besonders eignen. Ein ungezwungenes Beeinandersein bei einem Lagerfeuer, G'schichtln drucken von den bisherigen Segelerlebnissen, Kennelernen und Informationsaustausch, ein Grundpfeiler des Seglerlebens. Fast eine ganze Woche bleiben wir in dieser schönen bucht bevor uns das schlechte Gewissen weiter nach Hiva Oa zum Einklarieren treibt. Ja leider, der Papierkram...



Auf dem Weg fangen wir uns natürlich ein leckeres Fischerl. Welches, wollen wir von euch wissen. Foto unterbei. Beachtet bitte die speziellen Zeichnungen an der Flanke. Was könnte das sein?




Liebe Grüße
Die Alchemisten

Freitag, 22. Juli 2011

Fatu Hiva 14. Juli

Wie soll man das Gefühl beschreiben, wenn man nach 20 Tagen Wasser bis zum Horizont, endlich Land aus dem Passatdunst auftauchen sieht?
Erst sind es nur schemenhafte Umrisse, bis die Insel immer klarer Gestalt annimmt. Trotzdem noch einige Meilen. Es wird knapp, die Ankerbucht noch vor Sonnenuntergang zu erreichen. Aber es wäre mal eine wunderbare Ausnahme!
Endlich nimmt die Insel Farbe an. Gerade noch hatten wir 3000 Meter Wasser unter uns, jetzt zeigt der Tiefenmesser nach 3 Wochen wieder für ihn messbaren Boden an.
Steile Wände ragen aus dem Wasser, gekrönt von scharfkantigen Zacken. Ein unbeschreibliches Hochgefühl erfasst uns, als wir unsere 1. Ankerbucht entdecken. Das Gefühl des "An-kommens". Ankommen im Paradies. Der Anker fällt in einer kleinen Bucht. Vor uns ein tropisches Tal, umgeben von scharfen schroffen Felsen des ehemaligen Kraterrandes. Links und rechts von uns hohe schwarze Wände. Riesige Felsen, die wie Wächter am Eingang des engen Tales stehen. Im goldenen Licht der untergehenden Sonne hebt sich das satte Grün der Vegetation vom schwarzen Vulkangestein ab. Spektakulär ist das Wort, das am ehesten passt. Wenn hier noch ein Saurier den Kopf aus dem Grün stecken würde, würde uns das auch nicht wundern.
Nach dem Ankermanöver das allernotwendigste verräumen, Sundowner mixen, Füsse im Cockpit ausstrecken und.. die Sonne fällt ins Wasser. Perfektes Timing!


Ausserdem fällt unsere Ankunft auf einen großen Feiertag. Einer unserer zwei Yachtnachbarn rudert an uns vorbei, heißt uns herzlich willkommen und erklärt uns, das heute "zum Tag der Bastille" ein grosses Fest im Dorf stattfindet. Mit Tanz und allem Drum und Dran. Das würde uns natürlich reizen, aber wir sind einfach zu müde. Bevor wir in die Koje schlüpfen, noch ein Blick um uns. Sind wir wirklich da?
Die Bucht erscheint im silbrigen Licht des Vollmondes gespenstisch, dumpf dringt Trommelwirbel an unser Ohr. Unwirklich. Mystisch.


Der nächste Tag begrüßt uns mit herrlichem Sonnenschein. Zwei Polynesier kommen bei uns vorbeigerudert um uns Willkommen zu heißen. Sie stellen sich mit jeweils gleich zwei Namen vor. Ihrem französischem und ihrem polynesischem. Da war Philip, der auch Tai heißt, was übersetzt "La Mer, das Meer" bedeutet. Und Jaques, der auch Ane heisst, das "Himmel" bedeutet. Schön, oder? Sie wollen Früchte gegen Alkohol tauschen. Zehn riesige Grapfruits, Limetten und eine Staude Bananen wechseln gegen ein Fläschchen Rum ihre Besitzer. Dasselbe Prozedere wahrscheinlich auch auf den anderen Yachten und als wir am Abend zum ersten Mal wieder Fuß an Land setzten, war fast der ganze Ort besoffen. Fast alle Männer (bis ganz ganz oben voll) und die Haelfte der Frauen. "Himmel" jedenfalls war sternhagelvoll und "Meer" war alles andere als trocken. Da war der Abend gelaufen. Wir haben unseren unrühmlichen Beitrag dazu geleistet.

 Aber hier wird Gott sei Dank gleich drei Tage gefeiert, und so konnten wir uns Tags darauf (am Flaggentag) die lokale Tanzgruppe ansehen. Der Choreograph als Oberhaeuptling aufgemascherlt, mit viel Bast, Ketterl und Krone, ein Tunterl, hat die Gruppe begeistert inszeniert. Die Jungs, die meisten zwischen 20 und 25 Jahre, schlank, muskulös, drahtig (perfekt vom Hals abwärts) tanzten beeindruckend die Krieger und Jägermotive.










Die Mädels, da waren auch schon ein paar ältere Semester dabei, die meisten nicht nur etwas rundlich, sehr fraulich, tanzten die sexuelle Verführung mit dem berühmten unnachahmlichen Hüftschwung und ließen ihre Popos kreisen. Summa sumarum ca. 40 mit Blumenschmuck und Bast aufgebrezelte Taenzer und Taenzerinnen und ein gelungener Auftritt. Für uns ein erstes wunderbares polynesisches Erlebnis.





Statistik:
Luftlinie San Cristobal Galapagos - Faqtu Hiva / Marquesas : 3008sm
Zeit : 20 Tage und 4 Stunden
zurückgelegter Weg über Grund: 3038sm
zurückgelegter Weg durchs Wasser: 2829sm (Differenz: 209sm durch Stroemung, ~ 0,5kn)
- davon Meilen gesegelt: 2714sm
- davon Meilen motort: 115sm
bestes Etmal: 177sm (4. Tag) neuer Alchi Rekord!
schlechtestes Etmal: 119sm (19. Tag)

gefischt:
1 x Wahoo
2 x Dorade
2 x Bonito

Liebe Grüße
Die Alchemisten

Donnerstag, 14. Juli 2011

20. Tag auf See

Gesichter
"Du wirst keine Meere entdecken, solange Du nicht den Mut hast, die Kueste aus den Augen zu verlieren."
Legt man diese Zeilen wortwoertlich um...Kueste haben wir das letzte Mal vor fast 3000 Seemeilen gesehen, beinahe 3 Wochen. Bisher hat uns die See einige ihrer vielen Gesichter gezeigt. Im Moment geniessen wir das sanfte, beinahe zahme. Kein maechtiges, tosendes Aufbaeumen. Keine immensen Wellenberge, die das Schiff hochheben und Wind, der es rasend ins naechste Wellental schickt. Selbst das Boot ist ganz still, es muss sich gegen keine Gewalten winden. Sanft gleitet es durchs Wasser, nur von einem beruhigenden plaetschern begleitet. Waere nicht die langgezogene Pazifikduenung, koennten wir uns auf einem riesen See waehnen.
Gemuetliches segeln, aber auch seeeeehr langsam. Arbeiten koennen wieder in Angriff genommen werden, schon alleine um uns von unserer Ungeduld abzulenken. Die letzten Tage werden wir noch auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Zu ehrgeizig haben wir nach zwei Wochen auf See sogar mit nur 18 Tagen geliebaeugelt. Nachdem sich unser Genaker in Teile aufgeloest hat, mussten wir schliesslich sogar die 19 Tagesprognose aufgeben. Jetzt kaempfen wir um jeden Knoten, jede Windaenderung wird registriert und die Segel optimiert. Soviel wie in den vergangenen zwei Tagen, haben wir die gesamten letzten 2 Jahre nicht an den Segeln getrimmt! Alle moeglichen Segelstellungen werden ausprobiert, ob Tag oder Nacht, jeder Windhauch ausgenutzt. Es hat auch gefruchtet, wir kommen unserem Ziel immer naeher!

Land in Sicht!!!!!

Nur noch 10 Seemeilen!! Fatu Hiva liegt genau vor uns. Der Sekt ist eingekühlt, der Fisch filetiert und mariniert (Schurli 2 war heute einkaufen), Die Popcorn sind griffbereit und die Sonne geht in 2 Stunden unter. Perfekte Ankunft.
Vom ankerplatz koennen wir wegen der steilen Hänge wahrscheinlich nicht emailen. Melden uns dann in 3-4 Tagen wieder, wenn wir nach Hiva Oa unterwegs sind.
Juhuiiii wir san do!! :-D
Liebe Grüße
Die Alchemisten

Dienstag, 12. Juli 2011

18. Tag auf See

11. Seglergebot: Du bist nicht angekommen, wenn du noch nicht angekommen bist.
Jetzt hat uns der Leichtwind doch noch erwischt. Nachdem wir 2500 Meilen lang super Winde gehabt haben, mit denen wir tolle Etmale ersegelt haben, haben wir aus Gewohnheit die bisherige Performance als Tagesstandard angenommen. Eigentlich wären wir, wenns so weiter gegangen wäre, nach nicht mal 19 Tagen im Stall gewesen. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir dümpeln bei gerade mal 7 Knoten Wind mit 4 Knoten und 30° Kursabweichung Richtung Westen. Wenn wir Glück haben und der Wind bald wieder anspringt, sind wir am 14. Juli spätabends oder nächtens in Fatu Hiva.
Es ist kaum mehr Welle, heute hat uns ein Regenguss die Alchi abgespuelt und jetzt ist auch nicht mehr alles so salzig-pickig, es ist warm und die Sonne scheint. Vor Abfahrt in Galapagos haben wir gemeint, dass 21 Tage ein voller Erfolg wären..
Also hören wir sofort auf zu meckern und genießen den stillen Ozean!
Heute haben wir einen vertrockneten Kalmar auf den Solarpanelen gefunden. 3m über der Wasserlinie! Können die vielleicht fliegen? Oder regnet es die in der Nacht vom Himmel? Wie kommt der sonst da rauf?
Da Schurli is weg! Unser Plastikköderfischerl silbrig glänzend mit orangen Tigerstreifen ist entführt worden. Schurli war unser bester "Einkäufer" weil fischen kann man das ja nicht nennen. Wenn wir Fisch haben wollten, haben wir den Schurli "einkaufen" geschickt und nach spätestens 2 Stunden hat er immer etwas mitgebracht. Nur heute nicht. Der Entführer hat in brutalster Weise das Stahlvorfach durchgebissen und den Schurli geklaut. Verschlucken soll er sich an ihm.
Morgen kommt Schurli 2 zum Einsatz!

Statistik:
12.07.11 21.00 UTC
10° 04,9S 134° 10,7W
noch 267sm bis Fatu Hiva

Liebe Grüße
Die Alchemisten

Sonntag, 10. Juli 2011

16. Tag auf See

In den letzten beiden Tage hat sich Wind und Welle beruhigt. Einerseits haben wir dadurch wieder mehr Komfort an Bord und das haben wir gleich zum Brotbacken und Pudding machen ausgenutzt, andererseits spiegeln die Etmale leider auch die Gemütlichkeit wieder. so haben wir unsere erste geheime Hochrechnung revidieren müssen und den Gedanken an eine Zeit unter 20 Tagen aufgegeben. Momentan liegen wir bei einer Ankunftszeit am 20. Tag, dem 14. Juli. Nur noch 4 mal schlecht schlafen!
Der 14. ist ein Feiertag in allen französich angehauchten Gebieten, Gedenken an den Sturm auf die Bastie. Wir denken eher an einen Sturm auf die Betten wenn wir ankommen.
Olivia haben wir auch nicht mehr gesehen. Womöglich hat sie noch ein Trauma als wir mit der Giftsprühdose aufgetaucht sind. Werden wohl einen Arachnopsychologen aufsuchen müssen.

Statistik:
10.07.11 21.00 UTC
08° 53,5S 129° 06,6W
noch 813sm bis Fatu Hiva

Liebe Grüße
Die Alchemisten

Freitag, 8. Juli 2011

14. Tag auf See

13. Tag auf See.
Aberglaube.
Sind Seemänner abergläubisch? Wenn du eine Zigarette mit einer Kerze anzündest stirbt ein Seemann!? Eine Frau an Bord bringt Unglück!? Der Klabautermann!? Das ist nicht Aberglaube, das sind empirisch wissenschaftliche Fakten. Zerbrochene Spiegel, schwarze Katzen, die Unglückszahl 13, das ist Aberglaube. Unser Bilanz zum 13. Segeltag auf hoher See:
Wir "duschen" immer sitzend am Heck und holen mit der Pütz (Kübel) Salzwasser hoch zum pritscheln um dann zum Abschluss einmal kurz mit Süßwasser zu duschen. Das spart viel Süßwasser. So auch heute. Allerdings schickt Neptun einen Brecher, die Alchi bockt wie ein Stier beim Rodeo, Mann und Frau verspreizen sich mit Händen und Füßen und die Welle leckt am Heck empor, holt sich den Kübel und zieht ihn in die Tiefe. Nix mehr zum machen. 10 Jahre hat die Pütz tagein tagaus auf dem Schiff gedient und war immer noch fast wie nagelneu ;-). Wenig später dann erweitertes Beauty Programm: Manikür + Pedikür. Ähnliches Szenarion, die große Nagelschere liegt eine Sekunde ungesichert am Cockpitrand, eine große Welle, rumpel rumpel platsch. Auch sie ein langjähriger Kamerad. Nun am Meeresgrund. Doch noch nicht genug, weil wenn alle guten Dinge 3 sind, sind alle schlechten Dinge allemal 3.

Unser reparierter Gennaker zieht das Schiff mit 7,5 Knoten durch das dunkelblaue Wasser. Ein paar Stunden geniessen wir herrliches Segeln. Zum Sonnenuntergang besucht uns noch eine grosse Delphinschule. Sie scheinen Spass zu haben, springen hoch aus dem Wasser und spielen sich in der Bugwelle der Alchi. Im goldenen Licht der untergehenden Sonne beobachten wir sie vom Cockpit aus. Dann ohne Vorwarnung ein langes " RRRRAAAAAATSCH!! Unser Knistersackerl liegt neben der Yacht in Fetzen im Wasser. Wir arbeiten hektisch um die Teile wieder an Deck zu bekommen bevor sie sich im Kiel, Propeller oder Ruder verheddern. Da is nix mehr mit Bordmittel zu reparieren. Wie zum Trost setzt wenig später der Wind wieder bis auf 20 Knoten zu und wir segeln mit unseren Standardsegeln in die Nacht hinein. Neptun hat seine Tribut bekommen. Zur Sicherheit opfern wir ihm noch ein Stamperl Rum. Alles empirisch-wissenschaftlich selbstverständlich!

Und noch was. Um 1700 UTC hören wir es beim Navitisch ganz fürchterlich knacken. Wir entdecken, dass wir entdecken, dass wir gerade an der Distanz bis zum Ziel den 1000 abgeknackt haben. Nur mehr 999sm bis Fatu Hiva Jippieijey!
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
14. Tag auf See
Gewohnheiten.


Mit Genua und Großsegel rauschen wir mit gut 7 Knoten durch die Nacht. Manchmal auch ueber 8. Da wird es dann ganz schoen laut in der guten Stube! Ein Getoese, wie wenn man unter den Iguazuwasserfaellen stehen würde. Dazu dass Knarren und Knatzen vom Schiff, wie es sich im Wasser gegen die Kraefte windet und ab und zu richtige Brecher, die an die Bordwand knallen. Man gewöhnt sich an alles, auch das wir morgen wieder die Fische und Kalmare von Deck klauben, bevor sie zum stinken anfangen.



Apropos gewöhnen. An unser Haustier, die schlanke Olivia haben wir uns auch schon gewöhnt. Wollten wir uns anfangs noch bei ihr auf gut "österreichisch" mit Stirnlampe, Grillzange und Insektenspray vorstellen, begnügen wir uns jetzt schon damit, vor dem Schlafengehen Polster und Leintuch, bzw. zum Aufstehen T-Shirt und Hose lässig auszubeuteln. Wohin sich unsere Grazie zurückgezogen hat wissen wir nicht, doch ist eines klar, dass sie noch keine neuen Adoptiveltern gefunden haben kann.
Apropos Eltern. Olivia wird doch nicht Mama werden?

Statistik:
08.07.11 21.00 UTC
08° 24,0S 125° 06,6W
noch 813sm bis Fatu Hiva

Liebe Grüße
Die Alchemisten

Mittwoch, 6. Juli 2011

12. Tag auf See

11. Tag
Nach wie vor läufts ganz gut bei uns. Immer ein Fisch an der Angel, genügend Wind aus der richtigen Richtung und die Sonne scheint. Nur Bananen können wir keine mehr sehen und wenn wir uns was wünschen dürften, dann wär das eine etwas seichtere Welle. Bei diesen Wellenbergen geigt die Alchi nähmlich ganz schön. An Fleißaufgaben, wie irgendwelche Antennen schön bemalen (vielleicht nu a paar Punktal drauf?) oder das Zerlegen von technischen Teilen, nur damit man sie neu gefettet wieder zusammenbauen darf, ist da nicht zu denken. Trotzdem sind wir guter Dinge so allein in unserer Nußschale. Ein anderes Schiff haben wir seit Tagen nicht mehr gesehen, nur Wasser und riesen Schwärme von fliegenden Fischen. Ab und zu begleiten uns Delphine und manchmal segeln Möwen oder Schwalben auf der Suche nach Nahrung neben uns übers Wasser. Das wir uns weiter bewegen, merken wir daran, dass die Sonne mittlerweile über 1,5 Stunden später untergeht, als noch bei unsere Abfahrt in den Galapagos (ja ja, sie dreht sich eben doch die Erde).
Der Mond ist noch eine schmale Sichel, die sich früh Abends von uns verabschiedet. Bis wir ankommen haben wir wahrscheinlich beinahe Vollmond, der uns dann die Nacht über begleitet.
Dafür geniessen wir jetzt einen Sternenhimmel mit einer Milchstrasse, wie man sie wohl nur selten im Leben bestaunen kann.
So vergeht ein Tag nach dem anderen, heute sogar mit einer kleinen Aufregung. Wir haben einen blinden Passagier entdeckt. Der hat sich höchstwahrscheinlich mit unserem Obst an Bord geschmuggelt und es sich in unserer Bettwäsche gemütlich gemacht. Eine Kakerlake? Nö Eine Maus? Auch nicht. Viel schlimmer; eine Spinne. Wie gross? Sooooooooooo grosse Augen hat sie gehabt! Nein, Tropisches Tier in tropischen Früchten und in tropischer Grösse, galapagosmäßig halt. Es herrscht jetzt also Kriegszustand auf der Alchi. Wir zwei gegen dieses Monster. Trotz seiner Größe ist es hier am Schiff natürlich im Vorteil. Aus jedem Kasten gibt es Wege in die nächste Kabine, hinter die Salondecke, in die Scharps, über x Leitungen und unter die Bodenbretter. Uns bleibt also nur eine Taktik: aushungern! Bleibt nur zu hoffen, das sich dieses Teil genauso wie andere Spinnen von Insekten ernährt, und nicht von Bananen!
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
12. Tag


Unser Haustier, wir haben sie Olivia getauft, wegen der schönen langen Beine, hat sich seit gestern nicht mehr blicken lassen. Ist halt noch ein bisserl scheu wie ein Reh. Vielleicht haben wir aber auch nicht gut genug aufgepasst, weil wir mit anderer Action abgelenkt waren. Der Wind hat nachgelassen, die Welle nicht und daher haben wir versucht mit unserem "Hofer Sackerl" (Gennaker) ein bisserl mehr Fahrt und Stabilität ins Schiff zu bekommen. Ca. 1 Stunde dauert bei dem Gewackel das Aufbauen der Leinen und Umlenkblöcke für das Leichtwindsegel. Dann wars oben.
Und nach 50 Minuten von selber wieder herunten. Ein Stahlseil, das den Bergeschlauch mit dem eigentlichen Segel verbindet ist gerissen. Leider sieht man das Seil von außen normalerweise nicht und daher ist uns eine eventuelle Beschädigung entgangen. Also haben wir das Knistersackerl aus dem Wasser gezogen und begonnen es stückchenweise zu trocknen. Vielleicht können wir improvisieren und es trotzdem wieder zum Einsatz bringen, obwohl, im Moment ist der Wind wieder angesprungen und wir sind in bewährter Weise flott unterwegs.
Statistik:
06.07.11 21.00 UTC
06° 37,6S 120° 12,4W
noch 1122sm bis Fatu Hiva
Liebe Grüße
Die Alchemisten

Montag, 4. Juli 2011

10. Tag auf See

Bergfest!


JAAAA! einer der groessten Hoehepunkte bei langen Ozeanpassagen ist das Bergfest und das haben wir heute um 12.45 UTC gefeiert! Was das ist? Bergfest ist distanzmaeßig die Halbzeit, also wenn du die halbe Strecke erledigt hast. Unsere Strecke bis Fatu Hiva haben wir mit 3000sm festgelegt und seit heute haben wir weniger als 1500. Gefeiert haben wir das mit einem Schräglagen-Schoko-Bananen-Kuchen (Schräglagen-K. deshalb, weil trotz kardanisch aufgehängtem Ofen der Kuchen zw. 5mm und 5cm Dicke variiert) , Fisch-Curry auf Thailäinderinnen Art(bzw. Koestendorferinnen Art) und ausnahmsweise einem Glas Weiswein.
Der Ausdruck "Bergfest" kommt wahrscheinlich daher, dass wie beim Bergsteigen so auch beim Langstrecken-Segeln, die erste Haelfte doppelt so schwer ist wie die 2. Haelfte. Zumindest psychisch. Daher stellt man sich die Strecke wie einen Berg vor und zur Halbzeit ist man am Gipfel. Runter geht es bekanntlich einfacher wie rauf. (zum optimalen Lesegenuss dieses Blogs empfehlen wir Wolfgang Ambros, Der Watzmann)
Banana Boat.
Welche Vorräte legt man sich vernueftigerweise für eine Langfahrt wie diese an? Vorrangig wird natürlich mit frischem Obst und Gemüse vorgesorgt. Neben einem halben Sack (ca. 20kg) Galapagos Orangen (sind ganz normal, haben keine Stacheln oder so was!) haben wir auch eine halbe Staude Bananen erworben. Das sind ungezählt ca. 120 Einzelbananen. so eine Staude vom Geraetetraeger am Heck der Yacht baumeln zu lassen ist schon optisch ein Leckerbissen und zeugt natuerlich von professioneller Vorratshaltung und Tropenerfahrung.
Jedoch den Reifungsprozess dieser Bananen haben wir noch nicht so im Griff. Gut die Haelfte ist uns jetzt nach 10 Tagen "ueberreif" geworden. Was machen wir um die Ware nicht wegschmeissen zu müssen? Essen. Zum Fruestueck Bananenmuesli, zwischendurch eine Banane pur und zum Kaffee einen Schoko-Bananen-Kuchen. Zur Etmal Besprechung einen Bananenshake und als Nachspeise flambierte Bananen. Wenn wir das durchhalten sind wir in 2 Tagen mit den noch übrigen Bananenvorraeten durch und haben zum Ende der Überfahrt zwar sich kein Skorbut aber wir muessen uns in den Marquesas neue Bastroeckchen machen lassen. (zum optimalen Lesegenuss dieses Blogs empfehlen wir Harry Belafonte, Banana Boat).

Statistik:
04.07.11 21.00 UTC
05° 07,9S 115° 01,5W
noch 1443sm bis Fatu Hiva

Liebe Grüße
Die Alchemisten

Freitag, 1. Juli 2011

7. Tag auf See

Schon den 2. Tag Nudeln, irgendwie hatten wir noch keinen Gusta auf Fisch. Am letzten Wahoo haben wir 3 Tage Filet gegessen, aber weil wir mit unserer Energie äusserst haushalten müssen, drehen wir in der Nacht für ein paar Stunden den Kühlschrank ab. Und das dürfte dem Fischerl net so gschmeckt haben. Uns hat er dafür sehr geschmeckt, aber nach einer viertel Stunde...
waren wir froh, daß wir zwei Toiletten an Bord haben. Aber morgen wird wieder gefischt!

Jetzt lassen wir die Alchi wieder laufen; Da geht was weiter, Nach 7 Tagen über 1000 Meilen, über 1/3 der Gesamtstrecke!!!!! Yiphieeee!!!

Statistik:
01.07.11 21.00 UTC
03° 47,8S 106° 43,8W
noch 1946sm bis Fatu Hiva

Liebe Grüße
Die Alchemisten